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Schädlinge an Zimmerpflanzen erkennen und bekämpfen

Von Jonathan Imhof, Gründer von zimmerpflanzen.ch und zimmerpflanzen.de Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit

Klebrige Blätter, feine Gespinste oder kleine Fliegen über der Blumenerde: Meist steckt ein Schädling dahinter, der sich gut in den Griff bekommen lässt, wenn du ihn früh erkennst. Hier erfährst du, woran du Trauermücken, Spinnmilben, Läuse und Thripse unterscheidest und was dagegen hilft. Dazu bekommst du Tipps zur Vorbeugung und zur Quarantäne für neue Pflanzen.

Hand prüft die Blattunterseite einer Zimmerpflanze mit einer Lupe auf Schädlinge
Bild: Irina Iriser / Pexels

Schädlinge früh erkennen: so gehst du vor

Die meisten Schädlinge fallen nicht sofort auf. Wirf deshalb beim Gießen regelmäßig einen prüfenden Blick auf deine Pflanzen. Kontrolliere dabei nicht nur die Blattoberseite, sondern auch die Blattunterseiten, die Blattachseln, die Triebspitzen und die Erdoberfläche. Dort sitzen die meisten Schädlinge zuerst.

Typische Warnsignale sind:

  • klebrige Beläge auf Blättern oder auf dem Boden unter der Pflanze (sogenannter Honigtau)
  • helle Sprenkel, silbrige Flecken oder gelbliche Blätter ohne erkennbare Ursache
  • verkrümmte, stehen gebliebene oder deformierte Neutriebe
  • weiße Watteflöckchen, braune Buckel oder feine Gespinste
  • kleine Fliegen, die aufstieben, wenn du die Pflanze bewegst

Je früher du etwas entdeckst, desto einfacher ist die Bekämpfung. Ein Befall an einzelnen Blättern lässt sich oft allein mit Abwischen und Abbrausen stoppen. Gelbliche Blätter haben allerdings oft auch andere Ursachen, siehe Gelbe Blätter.

Die häufigsten Schädlinge im Überblick

Trauermücken

Trauermücken sind kleine, dunkle Fliegen, die über der Erde schwirren oder auf der Substratoberfläche sitzen. Die erwachsenen Tiere schaden kaum. Das Problem sind die Larven in der Erde, die an feinen Wurzeln fressen, vor allem bei jungen Pflanzen und Stecklingen. Auslöser ist fast immer dauerhaft feuchte Erde. Mit der richtigen Gießroutine beugst du vor, mehr dazu steht in unserem Ratgeber Richtig gießen. In Hydrokultur finden die Larven kaum Nahrung.

Ausführlich: Trauermücken bekämpfen →

Spinnmilben

Spinnmilben sind winzig und mit bloßem Auge kaum zu sehen. Du erkennst sie an feinen, hellen Sprenkeln auf den Blättern und später an dünnen Gespinsten, vor allem an Triebspitzen und Blattunterseiten. Sie treten bevorzugt bei trockener, warmer Luft auf, etwa in der Heizperiode. Empfindliche Pflanzen mit dünnen Blättern wie Calathea sind besonders gefährdet. Kontrolliere sie darum öfter.

Ausführlich: Spinnmilben erkennen und bekämpfen →

Wollläuse

Wollläuse bilden weiße, watteartige Flöckchen, bevorzugt in Blattachseln, an Stielen und an der Unterseite der Blätter. Darunter sitzen die eigentlichen Tiere. Sie scheiden Honigtau aus, die Blätter werden klebrig. Unbehandelt vermehren sie sich langsam, aber stetig und können Pflanzen deutlich schwächen.

Ausführlich: Wollläuse erkennen und bekämpfen →

Schildläuse

Schildläuse sehen aus wie kleine braune oder gelbliche Buckel an Stängeln und entlang der Blattadern. Unter dem harten Schild sitzt das Tier. Sie lassen sich mit dem Fingernagel abkratzen, und auch sie hinterlassen klebrigen Honigtau. Auf diesem können sich schwärzliche Pilzbeläge ansiedeln.

Ausführlich: Schildläuse erkennen und entfernen →

Thripse

Thripse sind schlanke, sehr kleine Insekten. Sie saugen an den Blättern und hinterlassen silbrig glänzende Flecken mit winzigen schwarzen Kotpunkten. Neue Triebe können verkrüppeln. Eine blaue Klebetafel zeigt dir, ob geflügelte Tiere unterwegs sind.

Blattläuse

Blattläuse sitzen meist in Gruppen an jungen Trieben und Knospen. Sie sind grün, schwarz oder bräunlich und verursachen verformte Neutriebe sowie klebrigen Honigtau. Weil sie sich schnell vermehren, solltest du nicht abwarten.

Nahaufnahme einer Gruppe dunkler Blattläuse an einem grünen Pflanzenstängel
Foto: Petr Ganaj / Pexels

Schädlinge bekämpfen: Schritt für Schritt

  1. Isolieren: Stelle die befallene Pflanze sofort abseits von anderen Pflanzen auf.
  2. Mechanisch entfernen: Brause Läuse und Spinnmilben mit lauwarmem Wasser ab. Wollläuse und Schildläuse tupfst du mit einem Wattestäbchen ab, das du in Alkohol (Spiritus) getaucht hast. Teste das Mittel vorher an einem Blatt, denn nicht jede Pflanze verträgt es.
  3. Stark befallene Teile entfernen: Schneide stark befallene Blätter oder Triebe ab und entsorge sie im Hausmüll, nicht im Kompost.
  4. Nachbehandeln: Wiederhole die Behandlung nach einigen Tagen, denn Eier und frisch geschlüpfte Tiere überstehen die erste Runde oft.
  5. Kontrollieren: Sieh in den folgenden Wochen regelmäßig nach, bis die Pflanze zuverlässig sauber bleibt.

Hausmittel und biologische Helfer

Bewährt hat sich eine milde Seifenlösung aus Wasser und etwas Kaliseife (Schmierseife), die du auf die befallenen Stellen sprühst. Decke die Erde vorher ab, damit nichts hineinläuft, und spüle die Pflanze nach einigen Stunden ab. Auch öl- oder neemhaltige Präparate aus dem Fachhandel können helfen. Halte dich an die Anwendungshinweise auf der Verpackung.

Hand besprüht die Blätter einer Zimmerpflanze mit einer Sprühflasche
Foto: Sasha Kim / Pexels

Gegen Trauermücken helfen gelbe Klebetafeln oder -stecker. Wichtiger ist, dass du die Erde zwischen den Wassergaben antrocknen lässt. Gegen die Larven gibt es zudem Nematoden, die du ins Gießwasser gibst. Gegen Spinnmilben und Thripse lassen sich Raubmilben einsetzen. Beides ist ohne chemische Mittel möglich und wird im Zoo- und Gartenfachhandel angeboten.

Leben Hund oder Katze bei dir, solltest du Mittel mit Bedacht auswählen und die Pflanze erst wieder an ihren Platz stellen, wenn sie abgetrocknet ist. Hinweise dazu findest du im Ratgeber Pflanzen & Haustiere.

Vorbeugen: so bleiben deine Pflanzen gesund

Gesunde, gut versorgte Pflanzen sind weniger anfällig. Die meisten Schädlingsprobleme entstehen durch Pflegefehler oder einen ungünstigen Standort.

  • Gieße bedarfsgerecht: Staunässe fördert Trauermücken. Entferne überschüssiges Wasser aus dem Untersetzer.
  • Achte auf den Standort: Zu dunkle Plätze schwächen die Pflanze. Tipps zum passenden Licht findest du in unserem Ratgeber Standort & Licht.
  • Sorge für frische Luft: Lüfte regelmäßig, aber vermeide Zugluft. Gegen trockene Heizungsluft hilft es, empfindliche Pflanzen gelegentlich abzubrausen.
  • Halte die Blätter sauber: Staub abwischen ist zugleich eine gute Gelegenheit für die Kontrolle.
  • Topf zur rechten Zeit um: Frisches Substrat und ein passender Topf stärken die Wurzeln. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Umtopfen.

Quarantäne für neue Pflanzen

Viele Schädlinge schleppst du unbemerkt mit neuen Pflanzen ein, ganz gleich, ob sie aus dem Handel, von Freunden oder aus dem Garten kommen. Stelle jede neue Pflanze daher zwei bis drei Wochen separat auf, am besten in einem anderen Raum. Auch nach dem Transport solltest du sie gründlich ansehen. Wie du Pflanzen nach dem Auspacken am besten behandelst, steht im Ratgeber Nach der Lieferung.

Prüfe in dieser Zeit Blattober- und -unterseiten sowie die Erdoberfläche. Erst wenn du nichts Auffälliges entdeckst, darf die Pflanze zu den anderen. Das gilt auch für Pflanzen, die du im Sommer draußen hattest und wieder ins Haus holst.

Wenn du dich bei der Wahl deiner Pflanzen unsicher fühlst, findest du bei den pflegeleichten Zimmerpflanzen robuste Arten, die kleine Pflegefehler gut verzeihen.

Robuste Pflanzen, die kleine Pflegefehler verzeihen

Häufige Fragen

Woher kommen die kleinen Fliegen in der Blumenerde?

Das sind in der Regel Trauermücken. Sie legen ihre Eier in dauerhaft feuchte Erde. Lass das Substrat zwischen dem Gießen oberflächlich antrocknen, gieße nicht über den Untersetzer und nutze Gelbtafeln, um die Fliegen abzufangen.

Woran erkenne ich Spinnmilben?

Typisch sind feine helle Sprenkel auf den Blättern und später dünne Gespinste an Triebspitzen und Blattunterseiten. Halte ein weißes Blatt Papier unter ein Blatt und klopfe leicht: Winzige bewegliche Punkte deuten auf Spinnmilben hin.

Sind klebrige Blätter immer ein Zeichen für Schädlinge?

Meist ja. Der klebrige Belag ist Honigtau, den Blatt-, Woll- und Schildläuse ausscheiden. Suche an Blattunterseiten, Blattachseln und Stängeln nach den Verursachern.

Wie lange sollte eine neue Pflanze in Quarantäne bleiben?

Zwei bis drei Wochen sind sinnvoll. In dieser Zeit stellst du die Pflanze getrennt von anderen auf und kontrollierst sie regelmäßig auf Schädlinge.

Helfen Hausmittel wirklich gegen Schädlinge?

Bei leichtem Befall oft ja: Abbrausen, Abwischen und eine milde Seifenlösung reichen häufig aus. Bei starkem oder wiederkehrendem Befall brauchst du zusätzlich Nützlinge oder geeignete Präparate aus dem Fachhandel.